Wege zum Aufhören

Wenn alles aus erneuerbaren Energien gespeist würde, dann hätten wir erst recht ein Problem, weil es dann für die Materialextraktion und -verarbeitung überhaupt kein Halten mehr gäbe. Die Abschaffung der Welt würde noch beschleunigt, je mehr erneuerbare Energien zur Verfügung stünden. Der Gedanke ist heute vielleicht ungewöhnlich, aber er ist zutreffend. Die ganze Strategie fußt noch immer auf der expansiven Logik des 19. und 20. Jahrhunderts. Wenn wir einfach nur „fossil“ gegen „erneuerbar“ ersetzen, also gewissermaßen auf den Methadon-Modus umschalten, kommen wir nie aus der Sucht heraus! Dass man tatsächlich mal Aufhören muss, ist dieser Kultur noch fremd. Und ich glaube, dass unsere Geschichten Wege zum Aufhören zeigen.
Harald Welzer: Spurenelemente einer anderen Geschichte