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[Ich habe lange überlegt, wie ich mich in dieser Angelegenheit verhalten soll: wie ich erkläre, was es mit der Entstehungsgeschichte dieses Textes auf sich hat. Vorworte sind mir ein Gräuel. Die Umstände haben dieses hier jedoch nötig gemacht. Zumindest als Einschub.
Ohne weiteres Drumherumreden: Ich bin nicht der Erfinder jener Rolandschen Zeilen. Diesen nämlich gibt es wirklich. Vielleicht richtiger: gab. Denn jetzt, da eine Menge Zeit verstrichen ist, seit ich seine letzte Hinterlassenschaft auf der Gästetoilette eines bekannten Bayreuther Museums aufspürte, kann man mit Sicherheit sagen: Roland A. Iobst darf als verschollen gelten.
Warum ich so lange mit der Herausgabe der Chronik seiner letzten Tage zögerte? Weil die Zeit eine Betrügerin und Diebin, also nur mit ihren eigenen Tricks zu schlagen ist. Und warum unter meinem Namen? Weil nur so Rolands Vermächtnis mehr Leser als jenen erreicht, dem allein es anfangs zugeeignet war: Dich. Lies nur zu Ende – und du wirst verstehen, dass sie auch deine eigene Geschichte ist; die sollte einen doch interessieren?!
Die Betreiber dieser Homepage gehen ein nicht geringes Risiko ein, den Etikettenschwindel mitzutragen; das Komplott gegen diejenigen, die Roland hinterher sein könnten. Ein Weiterlesen im Versprechen, das Siegel der Verschwiegenheit nicht zu brechen, bedeutet also, dass wir alle Komplizen in dieser Sache wären.
Roland hatte Anfang Mai 2001 damit begonnen, in seinem Notebook die ersten Monate des Jahres zu rekapitulieren – zur Kompensation eines Ereignisses, das sein Leben gehörig aus dem Tritt gebracht hatte. Dieses sein Leben jedoch, eben noch die frische Wunde leckend, unternahm, als es bemerkte, dass es niedergeschrieben und in elektronische Speicher gebannt werden sollte, zusätzliche Anstrengungen, seinen Herren ins Straucheln zu bringen: Als wolle es Rolands Nachstellung entkommen, trieb es ihn ganz in die Arme seiner dunklen Obsessionen. Bald benötigte er Geld und besprach sich mit mir. Zwar habe er den Text zunächst nur zu therapeutischen Zwecken angefertigt, aber ob nicht … Ich versprach ihm, das Material auf seiner Diskette einmal zu prüfen und er fügte hinzu, ich möge dabei bedenken, dies sei erst der Anfang: Das ganze Ausmaß der Verschwörung, in die er mit seiner Geschichte geraten sei, könne man erst vom Ende her beurteilen, in ihrer Gesamtheit, wovon er zum jetzigen Zeitpunkt zwar eine Vorstellung, aber noch keine Gewissheit besäße.
So verabschiedeten wir uns bei unserem letzten Zusammensein.
Wenige Monate später ging mir eine CD-ROM mit einem knappen Kommentar auf fettigem Brotpapier zu: Roland werde sich nicht wieder melden, bevor nicht die Sache zu einem Ende gekommen sei.
Es war schon am Ende des Jahres, als ich nach dem Ausbleiben weiterer Nachricht den Rest der Geschichte zu stellen versuchte – und Rolands Computer versteckt hinter dem Spülkasten jener Toilette aufspürte. Er selbst blieb verschwunden.
Seine letzten Zeilen verraten den Anlass und Grund.
Um den Charakter des Dokumentarischen zu wahren, habe ich lediglich kleinere Rechtschreibungskorrekturen vorgenommen. Einige Namen und zweidrei Abschnitte musste ich aus Rücksicht auf die Betroffenen abfälschen: Meine Hinweise dazu stehen in eckigen Klammern direkt annotiert – Fußnoten finde ich lästig. Ich habe außerdem eine Gliederung in drei Teile vorgenommen, wie sie sich auch durch meine Verstrickung in die Sache ergeben hat. Diesem Muster folgt ja so manche Geschichte – für Rolands aber hatte es besondere Bedeutung erlangt.
Der Appendix versammelt Fragmente, die zwar auf dem Computer gespeichert, aber nicht in das »Werk« eingeflossen waren. Vielleicht erhellen sie dennoch einige seiner dunkleren Orte.

Herzlichst ihr
Tobias Arnold Mai 2012]

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