Wolke Mensch

Stattdessen handelt es sich bei uns »Menschen« um eine Art Wolke, die sich durch Zeit und Raum bewegt. Dabei tauscht sie seit ihrer »Geburt« jede Sekunde Atome, Moleküle und ganze Zellen mit ihrer Umwelt aus, so dass man – analog zu den Atomwolken selbst – eigentlich nicht genau sagen kann, wo sie endet und eine andere beginnt (wobei letztlich alle Wolken Teil eines Gesamtschwarms, der Biosphäre sind). Dass wir uns unausgesprochen auf eine Konvention geeinigt haben, welche die Grenzen eines Menschen umreißt, liegt einerseits daran, dass wir nur sehr unscharfe Augen haben und die Bestandteile unseres Körperschwarms nicht sehen können; andererseits daran, dass uns diese Vereinfachung ein schnelleres, gesamtgesteuertes Reagieren und Koordinieren unseres Schwarms und damit evolutionäre Vorteile gebracht hat (wobei sogar der Mechanismus der »Evolution« erweitert werden müssten, wenn wir das Schwarmkonzept anerkennen).
Uwe Neuhold: „Quantenschwärme. Über die notwendige Revolution des Menschenbildes“. In: Sascha Mamczak, Sebastian Pirling, Wolfgang Jeschke (Hg.):Das Science Fiction Jahr 2011. München: Heyne, S. 958

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